Mein Auslandsjahr in Südafrika

Aufenthalt in Südafrika

Katharina Speh, eine Schülerin des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums an der Fritz-Erler-Schule, ist im Moment in Südafrika. Sie berichtet uns:

Mitte Oktober bin ich etwas verspätet in mein Auslandsjahr nach Südafrika gestartet. Die ersten zwei Monate habe ich im Norden in der Kleinstadt Louis Trichardt gelebt. Meine Gastfamilie war ziemlich reich und hat mir dadurch einiges ermöglicht, wie zum Beispiel einen Kurztrip in den Krüger-Nationalpark. Der Krüger Nationalpark ist der größte in ganz Afrika und hat eine unglaubliche Tiervielfalt zu bieten. Neben Löwen habe ich Babykrokodile, Nilpferde, ein Nashorn, Giraffen, Impalas und natürlich jede Menge Elefanten gesehen.

Aber trotz all dem Luxus (Dusche, WLan, Haushälterin etc.) waren diese 2 Monate nicht wirklich schön für mich. Meine Gastmutter war eine korrupte Bürgermeisterin, die in einen ziemlich heftigen Skandal verwickelt war und mein Gastvater ein Prediger, der sich selber für den zweiten Jesus gehalten hat und dachte, dass er die Gabe habe, Leute von Dämonen zu befreien und zu heilen. Vor ihm musste ich mich zur Begrüßung auch immer hinknien, was ich als totale Demütigung wahrgenommen habe. Insgesamt war es wie ein goldener Käfig, Freunde waren nicht erwünscht und rausgehen durfte ich erst recht nicht.

Kurz vor Weihnachten nach Bekanntwerden des Ausmaßes im Korruptionsskandal ist die Situation dann eskaliert und ich durfte übergangsweise in ein kleines Dorf umsiedeln.

Das Dorfleben ist zwar etwas langweilig, aber mir hat es gefallen. Die Familie hat mich sehr herzlich aufgenommen und sofort integriert. Das bedeutet aber eben auch, dass man als Mädchen den kompletten Haushalt machen muss. Anfang Januar hatte ich dann immer noch keine richtige Gastfamilie und die Schule hatte wieder begonnen. Also bin ich dann für zwei Wochen in eine Dorfschule gegangen. Die Schule war ziemlich arm und die Lehrer nicht wirklich motiviert. Einmal pro Stunde kam ein Lehrer in die Klasse und hat uns eine Aufgabe gegeben und ist dann wieder gegangen. Den eigentlichen Schulstoff musste man sich selber beibringen. Aber insgesamt hat es mir sehr gut gefallen und ich habe schnell Freunde gefunden. Als ich mich dann nach vier Wochen so richtig eingelebt hatte, kam die Nachricht, man hätte eine Gastfamilie für mich gefunden - in Tembisa.

Tembisa ist ein sehr armes Township. In der Apartheid wurde die dunkelhäutige Bevölkerung, aus den Städten vertrieben und in sogenannten Townships untergebracht. Jede Familie hatte ein sehr kleines Haus oder eine Wellblechhütte. Leider hat sich an den Lebensumständen bis heute nicht viel geändert.

Zuerst war ich ziemlich geschockt, als ich hier angekommen bin. Meine Gastfamilie hat einen „non-profit“ Kindergarten und ist dadurch ziemlich arm. Das Haus ist insgesamt so groß wie das Wohnzimmer bei mir zu Hause, aber ich habe mein eigenes winziges Zimmer. Was mich eigentlich am meisten einschränkt, ist die kaputte Badewanne, weshalb ich mich nun schon seit zwei Monaten mit einem Eimer wasche. Eine Waschmaschine gibt es auch nicht. Aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, genau wie daran, dass meine "Nichte" und ich jeden Tag das Haus putzen, kochen, Teller spülen und zwei Mal die Woche die Schulkleidung von Hand waschen.

In meinem ersten Monat in Südafrika fand ich das Essen schrecklich, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass es kein Schweinefleisch gibt. Hühnchen kann ich zwar bald nicht mehr sehen, aber wenn es dann Mal Rindfleisch gibt, ist das um einiges besser als in Deutschland. Als Beilage gibt es eigentlich jeden Tag Pap (Maismehl mit Wasser zusammengekocht zu einem festen Brei) und dazu Achja (saurer Mangosalat). Auch daran habe ich mich gewöhnt und kann mittlerweile sogar selber Pap kochen.

Hier gehe ich auf eine Township-Schule, die ziemlich streng ist, aber dafür eben auch ein relativ hohes Niveau hat. Insgesamt sind wir über 2000 Schüler, unter denen ich und eine andere Austauschschülerin die einzigen Weißen sind. Besonders für die Jungs sind wir eine ziemliche Attraktion – echt nervig!

Ein normaler Schultag startet um 7:45 Uhr mit einer Schulversammlung und Predigt. Ziemlich langweilig auf Dauer. In dieser Zeit sollte man besser still sein, ansonsten muss man 2 Stunden das Büro der Schulleiterin putzen oder den Garten in der prallen Sonne umgraben. Insgesamt sind die Bestrafungen hier ganz anders als in Deutschland. Schlagen ist zwar offiziell verboten, wird aber trotzdem noch von manchen Lehrern praktiziert. Ansonsten ist eine beliebte Strafe, Jungs die Klos putzen zu lassen.

Durch die Strafen und das Verhalten der Lehrer herrscht fast schon Angst vor den Lehrern, so dass sich z.B. niemand traut, meiner Englisch-Lehrerin eine Frage zu stellen. Diese Lehrerin nennt mich auch weißer Mensch, was in ihrer Sprache eine Beschimpfung ist, ungefähr so, wie wenn wir „Nigger“ sagten.

Auch im Unterricht ist die Klasse mucksmäuschenstill und hört dem Lehrer zu. So etwas wie Gruppenarbeit oder Diskussionen gibt es gar nicht.

Das Schuljahr ist in 4 Abschnitte eingeteilt, an deren Ende immer eine Klausuren-Phase steht. Dabei hat man in allen 7 Fächern eine schriftliche Prüfung und dann eine "praktische Übung". Ansonsten gibt es nur kleine Tests, die aber meistens nicht in die Note reingerechnet werden. Auch mündliche Noten gibt es nicht.

Vor oder nach der Schule gibt es noch sportliche Aktivitäten wie Netball oder Zusatzstunden.

Insgesamt gefällt mir die Schule gut und ich habe viele Freunde. Leider sind Freundschaften zwischen Jungs und Mädchen gesellschaftlich nicht toleriert.

Insgesamt sollte das Leben eines Jugendlichen in Südafrika nur aus Schule, lernen und Haushalt bestehen, was in der Realität ganz anders aussieht, wie man an der hohen Schwangerschaftsquote von unter 18-jährigen sehen kann.

Trotz all der Unterschiede und Schwierigkeiten, die ich bis jetzt erlebt habe, fühle ich mich jetzt sehr wohl und bin froh, in einem Township leben zu dürfen. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre und man hilft sich untereinander, wo man nur kann. Deswegen muss ich auch in meiner Straße keine Angst haben, wenn ich rausgehe, obwohl ich in einem der gefährlichen und sehr armen Viertel lebe. Mich kennt man und auf mich wird aufgepasst, und das ist eine schöne Erfahrung.

Manchmal bereue ich, dass ich unbedingt nach Südafrika gehen wollte und mir kein „einfacheres Land“ ausgesucht habe. Dann denke ich an all die wunderbaren Menschen und vielen Kulturen, die ich bisher kennenlernen durfte und das würde ich nicht missen wollen. Eine solche Gastfreundschaft und Offenheit habe ich noch nirgends erlebt und ich hoffe, ich kann ein bisschen davon mit zurück nach Deutschland nehmen.

Wenn Du mehr über mich und mein Auslandsjahr erfahren möchtest, dann schau doch einfach auf meinem Blog vorbei.

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