Direkt in den Landtag debattiert

Landesfinale Jugend debattiert

Erfahrungsbericht zu Jugend debattiert von Katharina Speh, Klasse 10/3 Fritz-Erler-Schule Pforzheim, 27. April 2018

Im Fokus des Wettbewerbs Jugend debattiert steht das Erlernen und Praktizieren von fairem Debattieren und Diskutieren. Eine gute Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass die Debattanten verstanden haben, dass sie miteinander und nicht gegeneinander debattieren müssen und genau das ist die Quintessenz, die ich mitnehmen durfte von Jugend debattiert.

Das erste Mal hörte ich vor zwei Jahren von Jugend debattiert, doch damals traute ich mich nicht, teilzunehmen und schaute mir nur die Regionalvorrunden an. Als dann dieses Schuljahr wieder die Chance bestand, teilzunehmen, dachte ich mir: Was habe ich eigentlich zu verlieren?

Nach einigen Übungsdebatten in meiner Klasse habe ich gemerkt, wieviel Spaß mir das Debattieren macht und wurde dann von meinem Lehrer gefragt, ob ich nicht unsere Schule im Wettbewerb vertreten möchte. Im Rückblick fällt mir jetzt auf, wie viele Fehler ich am Anfang gemacht habe und wie sehr sich meine Art, Argumente zu formulieren, zu entfalten oder auch zu entkräften verändert hat.

Trotz meiner Zweifel liefen meine Vorrunden so gut, dass ich in das Regionalfinale kam. Ich war sehr nervös in dieser Debatte und habe vor lauter Aufregung sogar meinen Schlusssatz vergessen. Trotz dieses kleinen Fehlers wurde ich Zweite und durfte damit auf das Regionalsiegerseminar. Auf diesem Seminar waren alle Erst- und Zweitplatzierten der Regionalverbünde aus ganz Baden-Württemberg. In den drei Tagen habe ich sehr viel mehr als nur die korrekte Struktur einer Debatte gelernt. In kleinen Gruppen erlernten wir das selbstbewusste Auftreten, Sprechen und Gestikulieren. Wir wurden mit top aktuellen Themen aus unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, aber auch mit Themen, die uns Schüler betreffen wie z.B. eine Bewertung der Lehrer durch Schüler, konfrontiert. Das Spannende war, dass wir uns unsere Position nicht immer selber aussuchen durften, sondern durchaus gezielt gegen unsere eigene Meinung debattieren mussten. Dadurch lernt man, dass jedes Thema zwei Seiten hat. Aber am besten an Jugend debattiert und diesem Seminar hat mir gefallen, dass ich so viele tolle und interessante Menschen kennenlernen durfte. Oft hörten die Debatten, die wir im Seminar begannen, gar nicht richtig auf, sondern wurden am Essenstisch weiter geführt.

Am 12. April waren dann in Stuttgart die Regionalsiegerdebatten. Ich persönlich war für meine Verhältnisse vor diesen beiden Debatten sehr ruhig und entspannt. Das lag aber auch daran, dass ich bei den beiden Themen „Sollen retuschierte Modelbilder wie in Frankreich gekennzeichnet werden müssen?“ und „Soll in Deutschland eine Fahrradkennzeichenpflicht eingeführt werden?“ meine jeweilige Wunschposition erhielt.

Als dann bekannt wurde, dass ich unter den Top 4 war und somit im Landesfinal debattieren durfte, war ich plötzlich gar nicht mehr ruhig und entspannt. Als ich dann bei dem Thema „Sollen besonders Zucker- und Fetthaltige Lebensmittel höher besteuert werden?“ die Position bekam, die ich nicht wollte, war ich nur noch ein Nervenbündel. Ich hatte nie damit gerechnet, soweit zu kommen und war dementsprechend für dieses Thema auch nicht mehr so gut vorbereitet. Innerhalb von 20 Minuten musste ich mir eine Eröffnungsrede und Argumente überlegen und Beispiele recherchieren. Als dann der gesamte Plenarsaal des Landtages mit Politikern, Lehrern, Schülern und sonstigen Interessierten gefüllt war, war ich am Höchstpunkt meiner Nervosität.

Mit Beginn der Debatte dann vergaß ich alle Zuschauer und fand mich in einer durchaus spannenden Debatte wieder. Ich wurde leider nur 3. im Landesfinale von Baden-Württemberg und habe somit das Bundesfinale in Berlin knapp verpasst.

Dennoch möchte ich mich ganz herzlich bei Jugend debattiert für diese Erfahrung bedanken und kann jedem, der die Chance bekommt, daran teilzunehmen, nur raten: Probiere es aus und nutze deine Chance!

Auch möchte ich mich für die Unterstützung meines Deutschlehrers, Herrn Werner, und meiner Freunde, die mich in alle Debatten begleitet und mich immer wieder motiviert haben, ganz besonders bedanken.